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FACHBEITRAG MiFID ii / MiFIR

Der Rohstoffhandel erfährt fundamentale Änderungen nach der Einführung von MiFID II. Insbesondere die Positionslimiten, der Nebentätigkeitstest sowie der Handelsaktivitätstest werden den Rohstoffhandel in der EU zukünftig mitbestimmen.

Übergangsbestimmungen für Warenderivate 

Übergangsbestimmungen für C6-Derivatkontrakte für nichtfinanzielle Gegenparteien bis 2020. Warenderivate, welche ein physisches Settlement (effektive Lieferung) besitzen und an einem Handelsplatz (RM, Börse, MTF oder OTF) abgeschlossen wurden, sind bis 2020 von Übergangsbestimmungen betroffen. ESMA und ACER werden bis 2018 ein Konsultationspapier bzgl. der Einführung von MiFID II für diese Anlageklasse veröffentlichen.
MiFID II Rohderivate

 . 

  • die Clearingpflicht gemäss Artikel 4 der EU Regulierung 648/2012 (EMIR) und die Besicherungsanforderungen als Teil der EMIR Risikominderungstechniken werden nicht für die C6 Energiederivatekontrakte gelten insofern diese von:
    kleinen nichtfinanziellen Gegenparteien unter der EMIR Clearingschwelle abgeschlossen werden, oder von nichtfinanziellen Gegenparteien, welche zum ersten Mal als Wertpapierfirmen ab dem Zeitpunkt des Inkrafttretens der Richtlinie zugelassen wurden; und
  • diese C6 Energiederivatekontrakte werden nicht als OTC-Derivate für die Berechnung der EMIR Clearingschwelle berücksichtigt

Energiederivate in Scope für MiFID II minus REMIT-Carve out = Energieverträge basierend auf Öl oder Kohle, welche effektiv geliefert werden

Vieldiskutiert ist die Definition von Öl oder Kohle. ESMA hat in ihrem finalen Report eine weite Definition von Basiswerten befürwortet. Während Biokraftstoff zwar nicht zu der C6-Ausnahme gehört, sind es aber Verträge, welche Biokraftstoff als Zusatz zu Diesel oder Benzin hinzufügen. Ebenfalls befürwortet wurde eine weite Definition von Basiswerten basierend auf Kohle.

Bezüglich der Auslegung von der effektiven Lieferung wurde vermerkt, dass mindestens eine durchsetzbare und bindende Verpflichtung, physisch/effektiv zu liefern, welche nicht in eine Barlieferung umgewandelt werden kann und von welchen nicht ausgetreten werden kann, außer in Ereignissen höherer Gewalt.

MiFID II Artikel (9) und C6-Anhang anzeigen

MiFID II, (9): Zu den Finanzinstrumenten werden Energiekontrakte gehören, bei denen eine effektive Lieferung vorgesehen ist und die über ein organisiertes Handelssystem (OTF) gehandelt werden, mit Ausnahme derjenigen, die bereits nach der Verordnung (EU) Nr. 1227/2011 des Europäischen Parlaments und des Rates (8) reguliert sind. Ebenfalls: Anhang II, Abschnitt C.6: Optionen, Terminkontrakte (Futures), Swaps und alle anderen Derivatkontrakte in Bezug auf Waren, die effektiv geliefert werden können, vorausgesetzt, sie werden an einem geregelten Markt, über ein MTF oder über ein OTF gehandelt; ausgenommen davon sind über ein OTF gehandelte Energiegroßhandelsprodukte, die effektiv geliefert werden müssen;

C7-Derivatkontrakte – weitere derivative Finanzinstrumente

MiFID II C7-Anhang anzeigen

Anhang II, Abschnitt C.7: Optionen, Terminkontrakte (Futures), Swaps, Termingeschäfte (Forwards) und alle anderen Derivatkontrakte in Bezug auf Waren, die effektiv geliefert werden können, die sonst nicht in Nummer 6 dieses Abschnitts genannt sind und nicht kommerziellen Zwecken dienen, die die Merkmale anderer derivativer Finanzinstrumente aufweisen;

Die C7 Verträge schliessen explizit Forwards (Termingeschäfte) mit ein. Verträge, die bereits unter die C6-Ausnahme gefallen sind, müssen nicht explizit für C7 getestet werden.

Weitere Verträge mit Merkmalen derivativer Finanzinstrumente, vorausgesetzt, sie sind standardisiert und im Einklang mit den im Finalen ESMA Report festgelegten Bedingungen, und weder Kassageschäfte noch Verträge sind, welche zu kommerziellen Zwecken abgeschlossen wurden.

Die Unterscheidung von C6 zu C7 kann auch über die Ausführung des Handelsplatzes definiert werden (RM, OTF, MTF innerhalb EU sind C6 Verträge, wobei z.B. EU externe Handelsplätze unter die C7 Klausel fallen)

Die C6-Ausnahmen gelten nicht für die C7 Verträge.

 

MiFID II C6 C7 Ausnahmen

Ausnahmen für Warenderivate

Die Ausnahmen sind in Artikel 2 (1) (j) geregelt.

MiFID II Artikel (1) (j) anzeigen

Personen,
i) die für eigene Rechnung mit Warenderivaten oder Emissionszertifikaten oder Derivaten davon handeln, einschließlich Market-Maker, aber mit Ausnahme der Personen, die Handel für eigene Rechnung treiben, wenn sie Kundenaufträge ausführen, oder
ii) die in Bezug auf Warenderivate oder Emissionszertifikate oder Derivate davon andere Wertpapierdienstleistungen als den Handel für eigene Rechnung für die Kunden oder Zulieferer ihrer Haupttätigkeit erbringen,
sofern:
— dies in jedem dieser Fälle auf individueller und aggregierter Basis auf der Ebene der Unternehmensgruppe eine Nebentätigkeit zu ihrer Haupttätigkeit darstellt und diese Haupttätigkeit weder in der Erbringung von Wertpapierdienstleistungen im Sinne der vorliegenden Richtlinie noch in der Erbringung von Bankgeschäften im Sinne der Richtlinie 2013/36/EU oder in der Tätigkeit als Market-Maker in Bezug auf Warenderivate besteht
— diese Personen keine hochfrequente algorithmische Handelstechnik anwenden, und
— diese Personen in allen Fällen der maßgeblichen zuständigen Behörde jährlich melden, dass sie von dieser Ausnahme Gebrauch machen, und auf Anforderung der zuständigen Behörde die Grundlage mitteilen, auf der sie zu der Auffassung gelangen, dass ihre Tätigkeit nach Ziffern i und ii eine Nebentätigkeit zu ihrer Haupttätigkeit darstellt;

Nebentätigkeitstest (Nebentätigkeitsausnahme)

Unter dem ersten Test, dem Nebentätigkeitstestmuss das eingesetzte Kapital für die MiFID II-Aktivität in der Europäischen Union eines Unternehmens nicht mehr als 5% der für die Gesamtaktivitäten der globalen Gruppe eingesetzte Kapital sein, oder es wird unter die Verordnung fallen.

Kapital für Unternehmen weltweit, auf Gruppenebene – privilegierte Transaktionen/ das eingesetzte Kapital für die MiFID II-Aktivität in der EU <= 5%

Handelsaktivitätstest („Marktanteil der Handelsaktivität“, Handelsaktivitätsausnahme)

Unter dem zweiten Test, dem Handelsaktivitätstest, müssen die Handelsaktivitäten in Warenderivaten der Gesamtgruppe in der Europäischen Union nicht mehr als 0,5% der Gesamthandelstätigkeit in der Europäischen Union pro einer der acht angegebenen Rohstoffklassen betragen.

Die acht Rohstoffkategorien sind:

Metalle, Öl und Ölprodukte, Emissionsberechtigungen, Kohle, Gas, Energie, landwirtschaftliche Erzeugnisse, andere Waren (einschließlich Fracht und Rohstoffe welche unter die C(10) Definition fallen.

Bei beiden Tests werden sogenannte privilegierte Transaktionen abgezogen. Die privilegierten Transaktionen können gruppeninterne Transaktionen sein oder Verträge, welche für die Risikoabsicherung abgeschlossen wurden.

(Handelsaktivitäten auf Konzernebene in der EU – privilegierte Geschäfte – lizenzierte Handelstätigkeit) / Grösse der Handelsaktivitäten pro Rohstoffklasse in der EU <= 0,5% pro Rohstoffklasse

Die Berechnung dieser Ausnahmen soll ab 2020 3-jährlich, rollend stattfinden. In der Übergangsphase von 2017 bis 2020 sind Übergangsberchnungen in Kraft.